Vegetarisch leben heißt,
auch Tiere leben lassen!

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

1987 wurde im Karlsruher Schlachthof das 100-jährige Bestehen gefeiert. Wir vom Verein DIE TIERSCHÜTZER E.V. waren an diesem Tag auch auf dem Gelände des Schlachthofes. An dem Wochenende gab es keine Schlachtungen, keine Schreie zu hören und kein Blut zu sehen oder zu riechen. Die Tageszeitung berichtete am darauf folgenden Montag über das Fest.

Das Fest bestand aus drei Teilen: einem Festakt, einem kleinen Imbiß und der Gelegenheit zur Besichtigung des Schlachthofs. Dem Festakt wurde keine allzu große Aufmerksamkeit gewidmet: mit einem herzhaften Steak, einem kühlen Bier und einem Tischnachbarn, der das gleiche vor sich stehen hatte, schien es sich nicht zu lohnen, den Festreden zuzuhören. Dabei wurden ganz interessante Zahlen serviert: In den 100 Jahren, die dieser vierte Karlsruher Schlachthof nun besteht, wurden etwa 6,5 Millionen Schlachtungen durchgeführt, das entspricht etwa 800 Millionen Kilo Fleisch. [...]

Wer sich nun genauer informieren wollte, wie dieses Fleisch letztendlich gewonnen wird, hatte die Gelegenheit zu einem Diavortrag und anschließender Führung. Chronologisch wurde im Diavortrag gezeigt, wie aus einem lebendigen Schwein ein saftiger Sonntagsbraten wird. Für Zartbesaitete sagte die Stimme aus dem Kassettenrekorder gleich zu Beginn, daß Töten und Schlachten unvermeidliche Voraussetzungen für einen Sonntagsbraten seien. Wer dies nicht wahrhaben wolle, müsse auf Fleisch verzichten und vegetarisch leben. [...]

Wer anschließend noch die Führung durch die Schlachthallen mitmachte, konnte sich kaum vorstellen, daß hier pro Stunde etwa 100 Schweine verarbeitet werden. Aber nach den teilweise recht eindrucksvollen Dias hat hier manch einer erleichtert aufgeatmet ob der strahlend weißen Wände, der gescheuerten Steinböden und der glänzenden Maschinen, Rollbändern und Wannen.

Am Rande dieses Geschehens gab es aber auch eine kleine Gruppe, die von diesem Fest nicht begeistert war: Tierschützer, überzeugte Vegetarier. Im Gespräch wollten sie die Besucher zum Nachdenken anregen, ob es notwendig sei, so viel Fleisch zu essen. Sie kritisierten, daß bei den vielen Schlachtungen kein Platz für Tierschutz sei, protestierten gegen die Werbung, in der es heißt, Fleisch ist ein Stück Lebenskraft und wollten sich nicht zuletzt dafür einsetzen, daß pro Gaststätte auf der Speisekarte ein vegetarisches Gericht als Alternative zu Fleischgerichten zu finden ist.

Mit diesem Beispiel soll gezeigt werden, dass bereits vor Jahren mit wenig Aufwand (eine Handvoll Tierschützer mit Flugblättern) die Presse auf das Thema Vegetarismus aufmerksam gemacht und eine effektive Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden konnte. Später haben DIE TIERSCHÜTZER E.V. in Karlsruhe die Aktion Speisekarte gestartet, die eine Unterschriftenaktion (mindestens ein vegetarisches Gericht auf jede Speisekarte) und eine große Veranstaltung zur vegetarischen Ernährung mit Vorträgen, Filmen und vegetarischem Essen in der Uni Karlsruhe umfasste. Die Aktion Speisekarte war ein großer Erfolg und viele Restaurants bieten nun auch mindestens ein vegetarisches Gericht an. Nachahmungen werden gerne gesehen. Es wäre schön, in Zukunft mehr Vegetarier-Restaurants zu finden und in allen anderen Gaststätten mehr vegetarische Gerichte angeboten zu bekommen. Machen auch Sie sich dafür stark! Haben Sie Ideen oder wollen Sie DIE TIERSCHÜTZER E.V. dabei unterstützen? Schreiben Sie mir, ich freue mich auf Ihre Briefe oder Mails.

Ihr Thilo Raiskup

TIERSCHÜTZER MAGAZIN, Postfach 5366, D- 76035 Karlsruhe wurde 2007 in TIER-ABC umbenannt.
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