Tierversuche in Deutschland,
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Wann ist eigentlich Schluss mit den Tierversuchen? Vor 25 Jahren als sich die Tierschutzbewegung wegen der bekannt werdenden Informationen über zahlreiche brutale Experimente an Tieren zu formieren begann dachten viele Tierfreunde, die von den ungeheuerlichen Schilderungen und Dokumentationen über die Vivisektion entsetzt waren, dass sie es durch ihr gemeinsames Engagement schaffen könnten, bis zum Ende des 20. Jahrhunderts vielleicht auch das Ende dieser Tierquälerei herbeiführen zu können. In der Tat wurde die Tierschutzbewegung immer stärker und so wurde das Thema Tierversuche allmählich auch ein Thema für die Medien. Tierschützer in Talkshows und Reportagen über Tierbefreiungen wurden gerne in’s Programm genommen und Tierschutz wurde in den 1980er Jahren zu einem beliebten Modethema. Erfolge der Tierschutzbewegung So konnten bald Erfolge verbucht werden. Beispielsweise beim Thema Haustierdiebstahl für Versuchslabore: Die Bevölkerung wurde wachsam. Eigene Tiere oder die aus der Nachbarschaft gestohlen und für Experimente missbraucht? Das durfte nicht sein! Tierfreunde machten umliegenden Labors „die Hölle heiß“, auf keinen Fall mit gestohlenen Tieren zu arbeiten. Zum Schutz der Haustiere wurde das Tätowieren eingeführt (was seitdem auch vielen entlaufenen Tieren zu Gute kommt, weil die Besitzer ausfindig zu machen sind). Die breite Öffentlichkeitsarbeit von neu gegründeten Gruppen gegen Tierversuche zeigte Wirkung, Infostände und Demonstrationen waren fast schon an der Tagesordnung, und auch die Politik wurde endlich auf breiter Front mit dem Thema Tierexperimente konfrontiert. Das Tierschutzgesetzt wurde novelliert und die Kontrolle und vor allem die Notwendigkeit bzw. Berechtigung von Tierversuchen wurden thematisiert. Nicht nur aktive Tierschützer sondern die Bevölkerung diskutierte über LD-50-Test und Draize-Test und lehnte Versuche mit Tieren, vor allem in der Kosmetikindustrie, rundweg ab. Der Ruf nach einem generellen Verbot von Tierexperimenten und der Durchführung von Alternativmethoden wurde immer lauter. Affenversuche in Münster Wir haben nun das Jahr 2004. Es gibt immer noch Tierversuche! Viele Tierschützer haben sich schon über Teilerfolge dank der mühsamen Tierschutzarbeit gefreut, aber zurzeit werden die Menschen in erster Linie von Sorgen um die eigene Existenz statt um das Schicksal der Versuchtiere geplagt. Manche sind einfach nur müde geworden oder mittlerweile gestorben. Doch die Tierschutzbewegung, inzwischen Tierrechtsbewegung, braucht Fortsetzung. Denn noch immer leiden in Deutschland Tiere in Versuchslabors. So hat gerade kürzlich der Journalist Friedrich Mülln undercover als Tierpfleger in das Versuchslabor des amerikanischen Covance-Konzerns in Münster eingeschleust Massentierhaltung in kleinen Käfigen, Misshandlungen und Verhaltensstörungen der Versuchsaffen aufgedeckt (das TIERSCHÜTZER MAGAZIN berichtete mehrfach darüber). Fünf Monate lang arbeitete der Journalist verdeckt in dem Versuchslabor, in dem etwa 2000 Affen für Tierversuche gehalten werden. Darunter viele Affenbabys, schwangere Tiere und Wildfänge. Der Versuchstierkonzern hat sich in Münster auf Reprotoxikologie spezialisiert, das bedeutet Tierversuche an trächtigen Affenweibchen und an Neugeborenen. Im Dezember 2003 hatten die in der ZDF-Sendung Frontal 21 gezeigten Aufnahmen aus dem Versuchslabor öffentliches Entsetzen ausgelöst. Die Firma Covance versuchte daraufhin per Gerichtsentscheid, die weitere Verbreitung der Videoaufnahmen zu unterbinden. Die Zensurverfügung ist nun vor dem Oberlandesgericht Hamm gescheitert und Friedrich Mülln darf das Videomaterial wieder zeigen. Auf einer eigens von Mülln einberufenen Pressekonferenz wurden die spektakuläre Covance-Recherche geschildert und eine exklusive Fassung des Undercover-Films gezeigt. Ohne solchen Enthüllungsjournalismus à la Günter Wallraff wären die Leiden der Affen in Münster für die Öffentlichkeit wie auch sonst so oft unbemerkt geblieben. Versuchstier des Jahres 2004 Aufgrund der bekannt gewordenen Vorfälle in Münster hat der Bundesverband Menschen für Tierrechte den Javaneraffen zum Versuchstier des Jahres 2004 „gekürt“. Denn neben Rhesusaffe und Totenkopfäffchen ist der Javaneraffe eine häufig in Tierversuchen verwendete Primatenart. Auch in Münster sind es insbesondere Javaneraffen, die das grausame Schicksal als Opfer der Experimente, schlechter Haltungsbedingungen und der Misshandlungen durch Pflegepersonal erleiden. 45 Millionen neuer Tierversuche für alte Stoffe Wenn es nach den Plänen der Europäischen Kommission geht, werden auch in den kommenden Jahren weiterhin „Versuchstiere des Jahres“ gekürt werden. Neue Tierversuchsreihen in großem Stil stehen an. Und dabei ist nicht etwa die Rede von Tierversuchen in der Genforschung oder für die Erforschung neuer medizinischer Heilmethoden, sondern für alte, bereits seit vielen Jahren auf dem Markt befindliche Stoffe. Das europäische Chemikalienrecht soll erneuert werden. Bislang unterliegen nur neu entwickelte Chemikalien einem Meldeverfahren, das eine Bewertung des gesundheitlichen Risikos verlangt. Nach dem neuen EU-Konzept REACH sollen jetzt auch alle bereits seit Jahrzehnten auf dem Markt befindlichen Altstoffe, insbesondere Chemikalien, die aus toxikologischer Sicht schon längst als krebserregend, erbgutverändernd oder schädlich für die Fortpflanzung gelten, dem europäischen Zulassungsverfahren unterworfen werden. Wissenschaftler am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin haben den Aufwand tierexperimenteller Untersuchungen bei der Umsetzung von REACH ge-schätzt. Sie errechneten die Anzahl der benötigten Versuchstiere, wenn die Chemikalien, einschließlich der Altstoffe, nach den geplanten Methoden geprüft würden, auf 45 Millionen innerhalb der nächsten 15 Jahre. Sollten auch alternative Testmethoden angewandt werden, würden zwar „nur“ 7,5 Millionen Tiere „verbraucht“; doch die möglichen Alternativmethoden sind oft wegen bürokratischer Hürden nicht international anerkannt. Die Forderung der Tierrechtsbewegung muss also heute wie vor 25 Jahren lauten: TIERVERSUCHE NEIN! Ihr Thilo Raiskup Herausgeber vom TIERSCHÜTZER MAGAZIN und seit über 25 Jahren in der Tierschutzbewegung aktiv |
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