Rabenvögel, intelligent
und anpassungsfähig

Unsere heimischen Rabenvögel sind sich im
Körperbau und Aussehen untereinander sehr
ähnlich. Meist ist ihr Gefieder tiefschwarz mit
leicht metallischen Glanz. Ausnahmen bilden
die farbenfrohen Häher, bei uns Eichel- und
Tannenhäher sowie die schwarz-weiße Elster
oder die grau-schwarze Nebelkrähe und Dohle.

Der große, kräftige Schnabel eignet sich bei der Nahrungssuche gut zum Töten lebender Beute,
aber auch als Verteidigungswaffe, z.B. gegen Angriffe von Greifvögeln wird er wirksam eingesetzt.
Die Nahrung der Rabenvögel kann je nach Lebensraum sehr variieren. Vorwiegend besteht sie aus
Insekten und Würmern, die aus dem Boden gewühlt werden, kleinere Säugetiere, Vögel, pflanzlicher
Kost, wie Getreide, und sogar Aas wird nicht verschmäht.

Zur Aufzucht der Jungen bauen Rabenvögel größere Reisignester, oder nutzen, wie die Dohle,
gern Baum- oder Felshöhlen. Das Kuppelnest der Elster erinnert an den Kobel des Eich-hörnchens,
mit dem es gelegentlich verwechselt wird. Die Saatkrähe tritt als Koloniebrüter hervor, alle anderen
Arten bevorzugen einzelne Standorte. Die Brutzeit bei Rabenvögeln liegt im Allgemeinen zwischen
Februar und Mai, wetterbedingte Verschiebungen, z.B. bei längeren Frostperioden im Frühjahr,
können durchaus auftreten. Die Gelegegröße schwankt artspezifisch zwischen 3-8 Eiern.

Rabenvögel verfügen über herausragende Gedächtnisleistungen. Der Eichelhäher versteckt im
Herbst als Wintervorrat eine ansehnliche Menge Eicheln, Nüsse oder Bucheckern. Bis zu einem
Fünftel dieser versteckten Früchte werden wiedergefunden, selbst unter einer dicken Schneedecke.
Ein noch phänomenaleres Merkvermögen zeigt sich beim Tannenhäher, er kann zwischen 30.000
bis 100.000 Verstecke anlegen, von denen er etwa 80 Prozent auffindet. Die vergessenen Samen
keimen zu Setzlingen heran, was beide Vögel zu nützlichen "Pflanzern" macht.

Je nach Art leben Rabenvögel in verschiedenen Verbreitungs-
gebieten, Elster, Saat-, Nebel- und Rabenkrähe bevorzugen
offene Kulturlandschaften.
Die Dohle hat Parklandschaften, alte Gemäuer (z.B. Kirchtürme)
und Laubwälder als Lebensraum auser-koren, ihre nahe
Verwandte, die Alpendohle sowie die Alpenkrähe ist nur im
Hochgebirge anzutreffen.

Der Eichelhäher lebt in Wäldern bis 1.600 Meter Höhe, aber
auch in Parkanlagen und Gärten. Sein Vetter, der Tannen-häher,
lässt sich dagegen nur in Nadel- und Mischwäldern der Mittel-
gebirge und Alpen beobachten.
Beim Kolkraben, unserem größten Rabenvogel,
sind die Lebensräume sehr unter-schiedlich, offene Laub- und
Nadelwälder, Gebirge, Steppe und Felsküste wechseln sich
dabei ab.

Oft werden Rabenvögel schlechthin als "Schädlinge" bezeichnet.
Es ist bekannt, dass ihr Augenmerk bei der Nahrungssuche auch Sing-
vogeleiern und deren Jungen gilt, zugleich ist es aber ein arttypisches Verhalten von ihnen.

Rabenvögeln deshalb leichtfertig das Image von "Dieben und Mördern"
zu verpassen, steht im Widerspruch zu den Gesetzmäßigkeiten der Natur,
sie gehören genau wie jede andere Tierart in den natürlichen Kreislauf.
Dass Rabenvögel zur Familie der Singvögel gehören, ist weitgehend
unbekannt, ihr robustes Aussehen lässt wenig Ähnlichkeit vermuten.


Text und Zeichnungen: Knut Kade

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