Wilderei für Luxus-Schals:

Wieder mussten 3.000
Tibetantilopen sterben

Eine große Partie Shahtoosh-Wolle, 215 Kilo,
beschlagnahmten indische Behörden im
Norden ihres Landes.
Es handelt sich um die größte Menge,
die jemals sichergestellt werden konnte.
Für sie sind in China 3.000 Tibetantilopen
gewildert worden.

Der IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds), der auch ein Büro in Peking unterhält, bekämpft die Wilderei in China seit Jahren. So lieferte er Ausrüstung für Anti-Wilderer-Einheiten und organisierte internationale Konferenzen und Aufkä-rungsprogramme. In Indien, wo die Wolle verarbeitet wird, kooperiert er mit dem WTI (Wildlife Trust of India).

China verfolgt die Wilderei unerbittlich und bestraft sie äußerst hart.
Beim Aufspüren von Wilderern hat es auf beiden Seiten schon Tote gegeben.

Für die Tibetantilope ist es trotzdem fünf vor zwölf. Von dieser Art, die auf den entlegenen, kargen Hochplateaus Zentral-asiens in einer Durch-schnittshöhe von 4.000 Meter und bei einer mittleren Temperatur von minus 4 Grad weidet, gab es einst große Herden. Schätzungen gehen bis zu 1,5 Millionen Tieren. Infolge der jahrzehntelangen Wilderei wird der Bestand zur Zeit auf nur noch 50.000 geschätzt.

Shahtoosh - das Wort kommt aus dem Persischen und bedeutet "König der Wolle" - ist die feinste und teuerste Wolle, die es gibt. Sie wird aus dem Bauchhaar der Tibetantilope gewonnen. Shahtoosh-Schals sind federleicht und trotzdem groß: für Damen mindestens 1x2 Meter.
Der Damen-Schal wiegt ganze 100 Gramm und wird aus 300 bis 400 Gramm Rohwolle gewonnen. Dafür müssen drei Tiere sterben, fünf für die Herren-Größe 1,5x3 Meter.

Eine Mitarbeiterin von IFAW China: "Shahtoosh ist nicht ein Schal, es ist ein Leichentuch."
Aber bei den Schönen und Reichen in westlichen Metropolen und in Hongkong wurde es
ab 1980 ein begehrtes Mode-Accessoir, ein "must-have" - ungeachtet des seit 25 Jahren geltenden internationalen Handelsverbots und trotz - oder aufgrund - des hohen Preises von 5.000 bis 15.000 Euro pro Stück.

Die jetzt in Nordindien beschlagnahmte Partie Shahtoosh wurde auf einem Lastwagen entdeckt. Drei Männer wurden verhaftet. Sie waren auf dem Weg nach Jammu und Kaschmir.
Dort wird die Wolle überlicherweise verarbeitet. Recherchen des IFAW und des WTI ergaben,
dass mit der illegalen Herstellung der Shahtoosh-Schals in Jammu und Kaschmir rund 30.000 Menschen beschäftigt sind bzw. waren, meist nicht in bekannten Webereien, sondern heimlich in Privathäusern.

Shahtoosh-Schals dürfen nicht verwechselt werden mit - legalen - Pashmina-Schals.

Ulli Schnapauff